Schulen des Feng Shui

In Feng Shui gibt es heute zwei klassische Schulen (die Formen-Kraft-Schule und die Struktur-Qi-Schule) und die im westlichen Kulturkreis entwickelte mit Esoterik vermischte New-Age-Feng-Shui-Schule.

Die Formen-Kraft-Schule (chi: xíng shì pài 形勢派 ) ist die ältere klassische Schule und hat verschiedene Bezeichnungen erhalten. In Europa ist die Schule auch als Landschaftsschule und in China als li xíng pài (派) bekannt. Weil vorwiegend Methoden zur Beurteilung von Bergen/Hügeln angewendet werden, wird sie auch luán tóu pài (巒頭派 deu: Berggipfel-Schule) genannt.

Die ersten Ansätze der Landschaftsschule finden sich im Werk «Zhang Shu»1 (deu: Buch der Gräber) des Guo Pu (276-324) in der Jin-Dynastie (265-420, damals herrschte die Yin-Yang-Schule vor.) Sie beinhaltet die Beurteilung der sichtbaren Landschaft und wurde in etwa der gebirgigen südöstlichen Provinz Jiangxi entwickelt. Wie aus dem Titel ersichtlich wurde Feng Shui für Yin, also Gräber angewendet, damit die Ahnen einen guten Platz haben, glücklich sind und die Nachkommen günstig unterstützen. Yang Yunsong (834-900) in der Tang-Dynastie (618–907) benannte erstmals die Formen-Kraft-Schule (Landschaftsschule).1

In der klassischen Schule wird das xíng shì (形勢 deu: topografische Merkmale eines Ortes) studiert. Dabei werden die Methoden des Yin und Yang, der fünf Wandlungsphasen, der vier Tiere für die Analyse des Qi-Flusses verwendet. Die 5 Planeten-Methode beschreibt 5 Bergformen, welche den 5 Wandlungsphasen und den Planeten: Mars, Jupiter, Saturn, Venus und Merkur zugeordnet werden. Natürlich werden in der Formschule auch die Wasser-Drachen (Gewässer, Strassen) beurteilt. Die Nennung der detaillierteren Methoden für Berge und Wasser sprengt diesen Artikel.

Der Feng-Shui-Experten Yang Yunsong (834-900) aus der Tang-Zeit hat die Formen-Kraft-Schule erstmals als solche benannt. Zur Zeit der Song-Dynastie (960-1279) entstand die Struktur-Qi-Schule als Gegenstück, besser Ergänzung zur Formen-Kraft-Schule.2 Die politisch bewegende Zeit der Südlichen-Song-Dynastie (1127-1279) mit dem Rückzug der Hauptstadt nach Hangzou (an der östlichen Küste, Grenze zwischen der Ebene im Osten und dem hügeligen Gelände im Süden) förderte wohl die Entwicklung der neuen Schule.

Die Struktur-Qi-Schule (chi: lǐ qì pài 氣理派 ), auch Kompass-Schule genannt, verwendet vorwiegend die Techniken des Richtungssystems sān hé (三合) und des Zeitsystems sān yuán (三元) und wird hauptsächlich im Yang – Feng Shui (Häuser und Wohnungen) angewendet.

Während der Qing-Dynastie (1644-1911) entwickelten sich die Zweige der „fliegenden Sterne“ (chi: fēixing eng: Flying Star) und der „mysteriösen Leere“ (chi: xuangkong ) massiv weiter. Die „fliegenden Sterne“ sind eine Methode des San Yuan und gehört damit zur Kompass-Schule.

Die Entwicklung zur New-Age-Feng-Shui-Schule begann eigentlich schon während der Qing-Dynastie. In dieser Zeit gab es neben den seriösen Feng-Shui-Experten, einige oberflächlichen Feng-Shui-Beratern bis zu Scharlatanen. Im 20. Jahrhundert entwickelte Lin Yun unter anderem das Drei-Türen-Bagua. Die Methoden des New-Age-Feng-Shui lassen sich nur ansatzweise auf die klassischen Methoden der Kompass-Schule herleiten. Mit diversen Ratgebern der letzten 30 Jahren verbreitete sich diese, aus meiner Sicht, oberflächlichen Methode.

Für seriösen Feng-Shui-Berater in Europa ist es daher umso schwieriger sich die Methoden des klassischen Feng-Shui anzueignen. Es gibt nur eine Handvoll gut ausgebildeter Feng-Shui-Master im deutschsprachigen Raum.

  1. das einzige überlieferte «Buch der Gräber» [Kubny: Feng Shui S.118/9]
  2. 2008 Kubny, Manfred Dr.: «Feng Shui: Die Struktur der Welt» S.121

Weiterführende Links

Quellen

Für die chinesischen Bezeichnungen und Zeichen nutzte ich das Glossar von M. Kubny (Wikipedia: Manfred Kubny): «Feng Shui: Struktur»2 und leo.org.

Links

Schreibe einen Kommentar